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10.05.2009
"So dümpelt die Anti-Islam-Kundgebung bedeutungslos vor
sich hin"
Anti-Islam-Kongress als peinliches Desaster
Von Antifaschistische Organisation Wipperfürth vom 09.05.2009

150 Teilnehmer nahmen an der heutigen Hauptkundgebung des
Anti-Islam-Kongresses auf dem Barmer Platz teil - und damit über
satte tausend Personen weniger, als sich "pro Köln"
erhofft hatte. Auf der Gegenseite protestierten neben den etwa 100
Antifaschisten, die es auf den Barmer Platz geschafft hatten und
lautstark die rassistischen Propagandaversuche der pro-Bewegung
eindämmten, zeitweise bis zu 3.000 Gegendemonstranten gegen den
rechtsextremen Kongress. Der Polizeieinsatz war dazu zu jeder Zeit
und an allen Orten übertrieben strikt und stand in keinem
Verhältnis zum friedlichen Verlauf der Gegenaktionen. Um kurz vor 9
Uhr geht es an den Bahnhöfen in der Kölner Umgebung los:
pro-Köln-Mitglieder und deren Anhänger trudeln unter starkem
Polizeischutz ein, um sich mit dem Nahverkehr auf den Weg nach
Köln-Deutz zu machen. Schwerpunkte sind Leverkusen als Treffpunkt
für die Funktionäre und offiziellen Gäste der pro-Bewegung sowie
Siegburg als öffentlicher Sammelpunkt für die
"zahlreichen" Teilnehmer an der Hauptkundgebung.
Währenddessen sind die beiden Schleusen, die zum Barmer Platz
führen, stark frequentiert - Gegendemonstranten werden mal mit
mehr, mal mit weniger Kontrollen durchgelassen, so dass sich gegen
9.30 Uhr etwa 150 Antifaschisten auf dem Platz befinden.
Um 10 Uhr beginnt die "offizielle" Gegendemonstration
der Initiative "Köln stellt sich quer" auf dem Heumarkt.
Unter anderem sprechen dort der Kölner OB Fritz Schramma, der
Grünen-Politiker Reinhard Bütikofer sowie der Kabarettist Jürgen
Becker. Anschließend zieht der Demonstrationszug vom Heumarkt über
die Deutzer Brücke zur Kreuzung vor dem Deutzer Bahnhof, wo sich
bereits die DGB-Gewerkschaftsjugend postiert hat. Unterdessen haben
es Antifaschisten am Bahnhof Ehrenfeld geschafft, die Gleise zu
blockieren und so einen Zug aus Aachen, in dem mehrere Rechte
sitzen, aufzuhalten. Auf dem Barmer Platz selbst hat inzwischen die
Kundgebung begonnen. Die Stimmung ist aggressiv; immer wieder kommt
es zu Angriffen von zumeist jugendlichen pro-Köln-Ordnern auf
Gegendemonstranten. Gegen 10.30 Uhr kommt der Zug aus Aachen am
Deutzer Bahnhof an, jedoch hat sich dort eine Sitzblockade gebildet,
die die 30 Rechten zunächst am Zugang auf den Barmer Platz hindert.
So dümpelt die Anti-Islam-Kundgebung bedeutungslos vor sich hin,
ohne dass auch nur ein einziger "interessierter Bürger"
etwas von den dort geäußerten Verbalattacken auf Muslime und
Immigranten mitbekommen haben dürfte. Die tatsächlichen Kölner
befinden sich nicht - wie von "pro Köln" erhofft - auf
dem Barmer Platz, sondern auf der Gegendemonstration zwischen dem
Deutzer Bahnhof und dem Kölnturm, wo bei Livemusik getanzt und
gelacht wird. Nicht ganz so friedlich ist die Situation dagegen bei
der pro-Bewegung: Die Gemüter sind erhitzt und so lässt es sich
der pro-Deutschland-Vorsitzende und frühere NPD-Aktivist Manfred
Rouhs es sich nach unbestätigten Berichten nicht nehmen, eine junge
Antifaschistin tätlich anzugreifen. Das Mädchen hat mittlerweile
Anzeige erstattet; Fotomaterial von der Tat ist vorhanden. In Folge
der höchst blamablen Vorstellung, von der die Hauptkundgebung
gezeichnet ist, wird die Versammlung von "pro Köln"
bereits um 12.30 Uhr aufgelöst. Deren Anhänger und Mitglieder
fahren daraufhin unmittelbar nach Ende der Veranstaltung um kurz
nach 13 Uhr mit der Bahn nach Leverkusen, um dort den Heimweg
anzutreten.
Wie nicht anders zu erwarten, beschreibt die pro-Bewegung die
vollkommen gescheiterte Veranstaltung als "phänomenalen
Erfolg" sowie als "historische Stunde". Es seien
1.000 Besucher auf dem Barmer Platz gewesen; die Kundgebung sei wie
geplant um 13.30 Uhr (!) beendet worden. Wieder einmal ein Zeichen
dafür, dass "pro Köln" noch nicht einmal ansatzweise als
"Partei" als solches gesehen werden sollte, sondern
einfach als nicht ernstzunehmende rechtsextreme Gruppierung, vor der
die Öffentlichkeit beschützt werden muss. Die pro-Bewegung stand
heute im Schatten ihrer selbst - das sollte spätestens seit dem
Mittag auch dem letzten pro-Köln-Anhänger unter der Voraussetzung
eines zumindest einigermaßen uneingeschränkten Denkvermögens klar
geworden sein.
Alles in allem war - wie auch schon im letzten Jahr - der
antifaschistische Gegenprotest überragend und "pro Köln"
konnte dementsprechend gebührend in die Schranken verwiesen werden.
Das erbärmliche Häufchen Elend, das sich am Vormittag auf dem
Barmer Platz versammelte, ist ein deutliches Indiz dafür, dass die
rassistischen Ideologien des Rechtspopulismus in der Bevölkerung
noch immer nicht mehrheitsfähig sind und Rechtsextremisten wie
"pro Köln" noch immer öffentlich geächtet werden. Damit
dies auch in Zukunft so bleibt, erfordert es die Anstrengung aller
antifaschistisch eingestellten Menschen, sich gegen perverse
Subjekte dieser Art zu wehren und seine Mitmenschen dazu
aufzufordern, es ihnen gleich zu tun. Denn nichts ist ein
katastrophaleres Horror-Szenario als ein Déjà-Vu, welches das
Deutschland in den 30er Jahren beinhaltet. Heute wurde ein weiterer
Schritt getan, um dies zu verhindern. Eine weitere Gelegenheit dazu
bietet sich bereits am morgigen Sonntag, wenn um in Bergheim um 12
Uhr die Abschlusskundgebung von "pro NRW" auf dem
Hubert-Rheinfeld-Platz stattfinden soll.
http://ao-wipperfuerth.blogspot.com
Quelle: http://de.indymedia.org/2009/05/249995.shtml
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