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Über pro NRW
"Bürgerbewegung pro NRW"
Am 6.2.2007 wurde auf Initiative von "Pro
Köln" der Verein "Bürgerbewegung pro Nordrheinwestfalen
e.V." (pro NRW) gegründet. Die Versammlungsleitung auf der
Gründungsversammlung in Leverkusen oblag dem kurz zuvor aus der Partei
ausgetretenen ehemaligen stellvertretenden "Republikaner"-Bundesvorsitzenden
Dr. Björn Clemens, der als Rechtsanwalt u.a. auch für die NPD und für
militante Neonazis aktiv ist. Ziel von "Pro NRW" sei die
"Koordinierung und Bündelung nonkonformer
NRW-Wählervereinigungen". Zum "Gründungsvorsitzenden"
wurde Markus Beisicht gewählt, zu seinen Stellvertretern Judith Wolter
und Kevin Gereth Hauer, der 2004 über die "Republikaner"-Liste
in den Gelsenkirchener Stadtrat gewählt worden war und die REPs im Streit
verlassen hatte bzw. aus der Partei herausgedrängt wurde. In der Ausgabe
Februar 2007 der NPD-Zeitung "Deutsche Stimme" gab Hauer ein
ganzseitiges Interview und kritisierte hierin vehement die
Abgrenzungspolitik und den parteiinternen Umgang mit Kritikern dieses
Kurses seitens der Bundes- und Landesführung der
"Republikaner". Auf einer Veranstaltung am 27.1. 2007 in
Gelsenkirchen war bereits die Gründung von "Pro Gelsenkirchen"
verkündet worden. In einem Bericht von "Pro Köln" heißt es
hierzu: "Die Neugründung wurde [ ... ] vor über 70 Gästen bekannt
gegeben und mit begeistertem Applaus aufgenommen." Als Redner seien
"Stadtrat Hauer als Gastredner" sowie "die Vorsitzende der
Fraktion pro Köln, Judith Wolter, und der Düsseldorfer Rechtsanwalt und
Satiriker Dr. Björn Clemens" aufgetreten, "Der Tenor der
anschließenden Gespräche und Diskussionen war eindeutig: Einigkeit statt
Zerstrittenheit im patriotischen Lager, Aufbau von unten nach oben und
konsequente Basisarbeit zur Überwindung der politischen Krise
Deutschlands!"
Als "Organisationsleiter" von "Pro
NRW" fungiert Daniel Schöppe, ein weiterer Bruder Bernd Michael
Schöppes, einst DLVH-Landesjugendbeauftragter, später
Landesvorstandsmitglied der nordrhein-westfälischen
"Republikaner".
Die Gründung von "Pro NRW" stellt aber
nicht nur eine Ausdehnung des Modells "Pro Köln" auf andere
NRW-Städte dar, sondern auch den Startschuss für einen eventuellen
Wahlantritt bei den nordrhein-westfälischen Landtagswahlen 2010.
Voraussetzung für einen Landtagswahlantritt soll ein erfolgreiches
Abschneiden in mehreren Städten bei den nordrhein-westfälischen
Kommunalwahlen im Jahre 2009 sein, neben Gelsenkirchen zum Beispiel auch
in Bottrop, wo mit "Pro Bottrop" ebenfalls ein lokaler Ableger
gegründet wurde. "Weitere Gründungen von rechtspopulistischen
kommunalen Wählervereinigungen im Rheinland und im Ruhrgebiet werden in
Bälde angestrebt", ließ der "Pro NRW"-Vorsitzende
Beisicht Mitte Februar 2007 verlauten. "Wir sind ( ... ) von unserem
Modell überzeugt, das im Prinzip auf jede andere größere Stadt
übertragen werden kann. ( ... ) Konsequente Basisarbeit ist der
Schlüssel zum Erfolg. Wir sprechen die Menschen direkt vor Ort auf
Probleme an, die sie bedrücken und die von den etablierten Parteien
ignoriert werden: Islamisierung, Überfremdung, Kriminalität und
politischer Filz samt ausufernder Korruption in der öffentlichen
Verwaltung. je unmittelbarer die Bürger dabei von Mißständen betroffen
sind, um so eher kann man sie auch mit nonkonformen, patriotischen
Politikansätzen erreichen." mit der weiteren Ausdehnung gemeint sein
dürften neben Gelsenkirchen und Bottrop u.a. - so ist es einem Interview
mit Judith Wolter zu entnehmen - Bonn und Düsseldorf. "Pro
Gelsenkirchen" meldete zudem, dass auch der "Duisburger Stadtrat
Manfred Tomant von der >Bürgerunion 2004< [ ... ]"eine enge
Zusammenarbeit unter nonkonformen Wählervereinigungen" versprochen
habe.
Der "Pro NRW"-Vorsitzende Beisicht zum
Vorgehen: "Themen gibt es genug für rechtsgerichtete Aktivisten, man
muß nur zugreifen und den Erfolg wollen. Dann werden auch Schritt für
Schritt die Mitgliederzahl und das Umfeld wachsen. Pro Köln steht
Interessenten in Nordrhein-Westfalen dabei gerne mit Rat und Tat zur
Seite", insbesondere wohl derjenigen, die Rats- oder zumindest
Bezirksvertretungsmandate zu bieten haben. Auf die Frage, warum das
Projekt auf NRW begrenzt sei, antwortete Beisicht: "Wer alles will,
bekommt am Ende gar nichts."
Auch Judith Wolter äußert sich ähnlich zu einer
bundesweiten Ausdehnung: "Die Bürgerbewegung pro NRW ist kein Teil
einer, wie auch immer gearteten, bundesweiten Organisation. Wir sind ein
unabhängiger eingetragener Verein. Und wie es unser Name schon deutlich
macht, werden wir unser Engagement auf Nordrhein-Westfalen
beschränken." Man kann bislang nur vermuten, dass in diesen
Äußerungen eine Kritik an Manfred Rouhs und dessen Projekt "Pro
Deutschland", mitschwingt. Rouhs selber hat bei "Pro NRW bisher
keine sichtbare Funktion.
Am 25.3.2007 führte "Pro NRW in einer
Gaststätte in Dormagen-Nievenheim eine "Großveranstaltung"
durch, an der laut Eigenangaben "über 150", Augenzeugen zufolge
zirka 80 bis 90 Personen, teilnahmen. Der Titel der Einladung lautete
"Von pro Köln über pro NRW in den Landtag 2010?" Als
Hauptredner wurden Beisicht und der ehemalige DLVH-Bundesvorsitzende
Harald Neubauer angekündigt, Mitherausgeber von "Nation &
Europa" und Eigentümer des "Nation Europa Verlages" sowie
2005 Bundestagskandidat der NPD. Seit vielen Jahren plädiert Neubauer
für einen Schulterschluss der extremen Rechten und unterstützt
entsprechende Projekte. "Es werden zahlreiche kommunale
Mandatsträger und Sympathisanten aus dem Rheinland und dem Ruhrgebiet
erwartet", hieß es zuvor auf der Homepage von "Pro Köln".
Das Spektrum der Teilnehmerinnen umfasste dann auch nahezu das gesamte
Spektrum der populistischen und extremen Rechten, bis hin zu NPD-Funktionsträgern wie beispielsweise Martin Laus. Lediglich die
neonazistischen "Freien Kameradschaften" zeigten sich nicht
interessiert. Sie waren qua Einladung an alle "politikfähigen
Patrioten" auch nicht erwünscht. Eben diese Politikfähigkeit
spricht "Pro NRW" nämlich dem militanten Arm des deutschen
Neonazismus ab. Man möchte in NRW offensichtlich den nicht zuletzt durch
den Niedergang der "Republikaner" frei werdenden politischen
Raum zwischen der CDU und der recht schwachen NPD füllen.
Am 29.3.2007 betonte "pro NRW" noch einmal
ausdrücklich", dass "pro NRW personell und organisatorisch
vollkommen unabhängig von der Partei pro Deutschland" agiere. Man
wolle "nach einer erfolgreichen Kommunalwahl 2009 alles daran setzen,
für die NRW-Landtagswahl ein möglichst breit angelegtes, patriotisches
Wahlbündnis zu formieren."
Es steht zu vermuten, dass "Pro NRW" nicht
nur eine bundesweite Ausdehnung für verfrüht erscheint, sondern ihr auch
die Abgrenzungen von "Pro Deutschland" bzw. Rouhs zu weit gehen.
Schließlich möchte man beispielsweise abtrünnigen
"Republikanern", die die Abgrenzungspolitik ihrer (ehemaligen)
Bundes- und Landesführung kritisieren, eine politische Alternative
bieten.
aus: Migrationsrat der Stadt Oberhausen:
Rechtspopulismus im Mantel einer "Bürgerbewegung",
"Bürgerbewegung pro NRW", "Bürgerbewegung pro
Deutschland" und "Bürgerbewegung pro Oberhausen",
Expertise der Arbeitsstelle Neonazismus Forschungsschwerpunkt
Rechtsextremismus und Neonazismus der FH Düsseldorf, Oberhausen April
2007, Seiten 13-15 |